Die Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in sicherheitsrelevante Anwendungsfelder hat in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, so auch im Bereich des Brandschutzes und der Sachversicherung. Die Anwendung künstlicher Intelligenz eröffnet dabei neue Möglichkeiten zur Risikoidentifikation, ‑bewertung und ‑minimierung sowie effizientere Schadenregulierung. KI‑basierte Technologien wie maschinelles Lernen, Bild- und Spracherkennung oder sensorbasierte Datenanalyse ermöglichen eine automatisierte Auswertung großer Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen – wie Sensordaten, Wetterinformationen oder Gebäudestrukturen in Echtzeit und unterstützen dadurch sowohl die frühzeitige Erkennung potenzieller Gefahren sowie Prognosen zu Schadenwahrscheinlichkeiten. Dies verspricht eine signifikante Verbesserung der Überwachungs- und Reaktionsmechanismen, etwa durch lernende Algorithmen zur Detektion von Brandereignissen oder durch die adaptive Steuerung brandschutztechnischer Anlagen.
Darüber hinaus ermöglicht die KI die Optimierung versicherungstechnischer Prozesse, so können neben präziseren Schadenanalysen neue Formen der Tarifierung, Schadenregulierung und Betrugserkennung entwickelt werden.
Im Rahmen dieses Artikels sollen mögliche Potenziale und Herausforderungen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz im Zusammenspiel von Brandschutz und Sachversicherung beispielhaft dargestellt werden. Dabei werden sowohl technologische als auch versicherungsökonomische Aspekte beleuchtet, um ein umfassendes Verständnis für die Chancen und Herausforderungen des KI‑Einsatzes im Rahmen des Brandschutzes als auch der Anwendung für die Sachversicherung zu entwickeln.
Künstliche Intelligenz
Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) bezieht sich auf die Entwicklung von Computeralgorithmen und ‑systemen basierend auf künstlichen neuronalen Computernetzwerken, die es ermöglichen, unterschiedliche Datenquellen wie Bilder, Töne, Texte, Tabellen oder Zeitreihen zu interpretieren und Informationen oder Muster zu extrahieren, um diese auf unbekannte Daten anzuwenden. Künstliche neuronale Netze sind das zentrale Element im Deep Learning (besonders tiefe Netzstrukturen). Sie sind in der Lage, Aufgaben auszuführen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern würden. Er umfasst eine Vielzahl von Technologien und Methoden, dazu zählen insbesondere
- Lernen aus Daten (Machine Learning)
- Verarbeitung natürlicher Sprache (Natural Language Processing)
- Bilderkennung (Computer Vision)
- autonome Entscheidungsfindung.
KI‑Algorithmen können beispielsweise Muster erkennen, Sprache verstehen, Entscheidungen treffen, Probleme lösen und eigenständig lernen und sich verbessern, d. h. KI‑Systeme weisen zumindest einen gewissen Grad an Autonomie, Anpassungsfähigkeit sowie die Fähigkeit zu Schlussfolgerungen auf.
Die Effektivität von KI‑Systemen hängt maßgeblich von der Qualität und Quantität der verfügbaren Daten ab, die insbesondere im Hinblick auf die DSGVO datenschutzkonform sein müssen.
Einsatzmöglichkeiten von KI im Brandschutz
Im Rahmen von Smart Buildings werden Gebäude zunehmend mit verschiedensten intelligenten KI‑gestützten Infrastruktur-Steuerungstechnologien ausgerüstet und untereinander vernetzt. Dabei übernimmt die KI die Analyse sowie Bewertung der eingehenden Datenströme und Steuerung notwendiger Maßnahmen, beispielsweise bei einem beginnenden Brand die Auslösung eines Brandalarms, die Aktivierung von Brandschutzeinrichtungen wie Brandschutzklappen, Feuerschutzabschlüsse, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen sowie Einleitung von Evakuierungsmaßnahmen. Weitere Beispiele sind Videoüberwachungssysteme, die es durch die KI‑Technologie ermöglichen, eine Rauchentwicklung zu erkennen oder Systeme, die je nach Brandentwicklung dynamisch sichere Evakuierungsrouten ermöglichen.
Die Anwendung Künstlicher Intelligenz eröffnet damit Möglichkeiten, Brandgefahren frühzeitig zu erkennen sowie entsprechende Folgeprozesse wie Alarmierung und Einleitung von Brandbekämpfungsmaßnahmen zu automatisieren. KI‑gestützte Systeme können sowohl im präventiven als auch im abwehrenden Brandschutz eingesetzt werden.
Präventiver Brandschutz
Primäre Aufgabe des präventiven Brandschutzes ist die Vermeidung von Brandentstehung und die Begrenzung der Ausbreitung durch bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen. Im Brandschutz können KI‑gestützte Systeme Sensordaten, Umgebungsvariablen und historische Ereignisse auswerten sowie ungewöhnliche Wärmemuster oder Rauchentwicklung durch ein Netzwerk aus hochsensiblen Sensoren, Wärmebild- und Überwachungskameras sowie Luftqualitätsmessgeräten feststellen, bevor sie ggf. für den Mensch oder konventionelle Sensoren wahrnehmbar sind. So lassen sich überhitzte Geräte, fehlerhafte Elektroinstallationen oder ungewöhnliche Rauchentwicklungen automatisiert identifizieren. Diese vorausschauenden Systeme ermöglichen eine Reaktion noch vor dem Eintritt des Schadenereignisses und tragen so wesentlich zur Erhöhung der Sicherheitsstandards bei, da sie Brandgefahren frühzeitig erkennen und präventive Maßnahmen einleiten.
Mögliche Einsatzbereiche von KI gestützten Systemen: